Die Neubau-Lücke in Worms: gebaut wird, Eigentum entsteht kaum
2025 genehmigte die Stadt Worms 486 Wohnungen und lag damit je 10.000 Einwohner auf Platz zwei aller kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz. 422 dieser Wohnungen gehören zu einem einzigen Quartier; für die gesamte übrige Stadt bleiben 64 – der niedrigste Wert seit 2015. Auf Ein- und Zweifamilienhäuser entfallen davon vierzehn. Grundlage ist eine Sonderauswertung des Statistischen Landesamts, dazu die Kostenrechnung, die erklärt, warum sich Neubau in Worms nicht mehr rechnet – und was das für Eigentümer im Bestand bedeutet.
Peter HoffmannImmobilienmakler in Worms
September 2026
Das Wichtigste in 30 Sekunden
In Worms wird wieder gebaut – aber fast kein Eigentum mehr. 2025 genehmigte die Stadt 486 Wohnungen und lag damit je 10.000 Einwohner auf Platz zwei aller kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz. 422 davon gehören zu einem einzigen Quartier. Für die gesamte übrige Stadt bleiben 64 Wohnungen – weniger als in jedem anderen Jahr seit 2015. Auf Ein- und Zweifamilienhäuser entfallen davon vierzehn. Der Grund ist eine Rechnung, die nicht mehr aufgeht: Ein Neubau kostet in Worms rund 4.800 bis 5.300 €/m² Wohnfläche, verkauft wurde er 2025 zu 4.109 €/m². Für Eigentümer im Bestand ist das die entscheidende Nachricht – ihre Immobilie bekommt vorerst keine billigere Konkurrenz.
Genehmigt 2025
486
Wohnungen in 21 neuen Gebäuden · Stat. Landesamt RLP
Davon ein Quartier
422
Licht-Luftbad-Quartier, Monsheimer Straße
Für die übrige Stadt
64
Tiefstand der Reihe seit 2015
Neubau-Lücke
~900 €/m²
Herstellung minus Erstverkaufspreis – vor Förderung
Grundlage ist eine Sonderauswertung des Statistischen Landesamts – Belege in Quellen & Methodik.
01Ein Rekordjahr, das an einem einzigen Bauantrag hängt
Im Februar 2026 veröffentlichte das Statistische Landesamt die Baugenehmigungen des Vorjahres, und für Worms las sich das Ergebnis wie eine Wende: 486 Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden – im Jahr davor waren es 86. Umgerechnet auf 10.000 Einwohner sind das rund 56 Wohnungen und damit Rang zwei unter den kreisfreien Städten des Landes, nur Trier liegt höher. Der Durchschnitt dieser Städte beträgt 26,1.
Wie sich diese 486 Wohnungen verteilen, geht aus der Meldung nicht hervor. Auf meine Anfrage hat das Landesamt die Wormser Genehmigungen der Jahre 2015 bis 2025 nach Gebäudeart aufgeschlüsselt – und diese Aufschlüsselung stellt die Zahl in ein anderes Licht. 472 der 486 Wohnungen entstehen in Mehrfamilienhäusern, ganze 14 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Hinter dem Sprung im Geschosswohnungsbau steht dabei praktisch nur ein Projekt: das Licht-Luftbad-Quartier auf dem ehemaligen Rheinmöve-Gelände an der Monsheimer Straße, für das der Bauherr 422 Wohnungen in drei Bauabschnitten angibt.
Zieht man dieses Quartier ab, verbleiben im übrigen Stadtgebiet 64 genehmigte Wohnungen – 50 davon im Geschosswohnungsbau, 14 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Kein Jahr der Reihe seit 2015 liegt darunter; der schwächste Wert war bislang 2024 mit 86. Damit ruht auch der Landesrang auf einem einzelnen Bauantrag: Ohne das Quartier wären es gut sieben Wohnungen je 10.000 Einwohner statt 56.
Jahr
Einfamilienhäuser
Wohnungen gesamt
dav. in Ein-/Zweifam.
2015
51
263
65 (25 %)
2016
45
247
67 (27 %)
2017
37
137
47 (34 %)
2018
56
172
72 (42 %)
2019
26
137
38 (28 %)
2020
20
129
26 (20 %)
2021
33
186
45 (24 %)
2022
34
378
52 (14 %)
2023
17
135
23 (17 %)
2024
9
86
9 (10 %)
2025
10
486
14 (2,9 %)
Errichtung neuer Wohngebäude, Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser als Gebäude, die übrigen Spalten als Wohnungen. Wohnheime sind in den Wohnungssummen enthalten, kommen in der Reihe aber nur 2015 vor (ein Heim mit 30 Wohnungen); für alle übrigen Jahre ist die Zahl null. Der Wert für 2025 ist durch das Licht-Luftbad-Quartier mit allein 422 Wohnungen geprägt – ein Vergleich der Wohnungssummen über die Jahre ist nur mit diesem Hinweis sinnvoll.
02Das Eigenheim verschwindet aus der Statistik
Der Sondereffekt betrifft nur die Gesamtsumme. Die zweite Zahlenreihe in der Tabelle kommt ohne ihn aus – und sie ist die unbequemere: 2018 genehmigte die Stadt 56 Einfamilienhäuser, 2024 waren es neun, 2025 zehn. Die beiden letzten Jahre zusammen kommen auf weniger Einfamilienhäuser als das Jahr 2018 allein.
Noch deutlicher wird es im Anteil. Von allen genehmigten Wohnungen entfielen 2018 noch 42 Prozent auf Ein- und Zweifamilienhäuser. Danach fällt die Quote fast durchgehend: 28, 20, 24, 14, 17, 10 – und 2025 auf 2,9 Prozent. Selbst wenn man das Quartier herausrechnet und nur die übrigen 64 Wohnungen betrachtet, bleiben es 22 Prozent, also weniger als in fast jedem Jahr davor.
Das ist keine Wormser Besonderheit, aber es ist in Worms gut messbar. Und es beantwortet eine Frage, die mir Eigentümer regelmäßig stellen: ob der Markt für gebrauchte Häuser durch neue Baugebiete unter Druck gerät. Die Genehmigungszahlen sagen dazu klar Nein – neue Einfamilienhäuser entstehen in einer Größenordnung, die für den Bestandsmarkt keine Rolle mehr spielt.
03Die Rechnung des privaten Bauherrn
Warum das Eigenheim verschwindet, lässt sich durchrechnen. Nehmen wir eine Familie, die 2021 in Worms bauen wollte: 500 Quadratmeter Grundstück und ein schlüsselfertiges Haus von rund 140 Quadratmetern Wohnfläche. Fünf Jahre später steht dieselbe Familie vor demselben Vorhaben – nur mit diesen Zahlen:
Dieselbe Familie, dasselbe Haus
2021
2026
Differenz
Grundstück (500 m²)
130.000 €
180.000 €
+50.000 €
Haus (schlüsselfertig, ~140 m²)
350.000 €
491.000 €
+141.000 €
Gesamt
480.000 €
671.000 €
+191.000 €
Eigenkapital (20 %) + Nebenkosten
105.000 €
147.000 €
+42.000 €
Darlehen
384.000 €
537.000 €
+153.000 €
Zinssatz (10 Jahre Zinsbindung)
1,26 %
3,98 %
–
Monatsrate
1.040 €
2.680 €
+1.640 €
Vergleichsrechnung, keine Finanzierungsberatung. Belegt sind Bodenrichtwert, Baupreisindex (+40,3 Prozent seit 2021) und Zinssatz; beide Spalten rechnen mit dem stadtweit typischen Wohnbauland-Wert zum jeweils geltenden Stichtag (260 €/m² für 2021, 360 €/m² zum 01.01.2026). Annahmen: 20 Prozent Eigenkapital, zwei Prozent Anfangstilgung in beiden Jahren, Grunderwerbsteuer 5 Prozent sowie Notar und Grundbuch rund 2 Prozent auf den Grundstückskauf. Weil die Anfangstilgung gleich gesetzt ist, unterscheiden sich die Laufzeiten erheblich – rund 39 Jahre bis zur Volltilgung bei 1,26 Prozent, rund 28 Jahre bei 3,98 Prozent.
Die Monatsrate hat sich mehr als verdoppelt. Härter trifft die Familie aber der Betrag, der vorher auf dem Tisch liegen muss: rund 147.000 statt 105.000 Euro. Dieser Teil ist nicht mitfinanzierbar, und die Reallöhne sind in derselben Zeit nicht mitgewachsen – sie haben 2025 gerade wieder das Niveau von 2019 erreicht.
Beide Seiten der Rechnung sind gestiegen, aber nicht gleich stark. Der Baupreisindex für Wohngebäude liegt gut 40 Prozent über dem Stand von 2021. Der Bodenrichtwert dagegen steht: Zwischen 2014 und 2022 stieg er für Wormser Wohnbauland von 190 auf 360 Euro je Quadratmeter, seither tragen 94 Prozent der Zonen unverändert denselben Wert. Die nächste Fortschreibung folgt erst zum 1. Januar 2028 – die Preisbasis ist damit für die nächsten Jahre gesetzt. Welcher Stadtteil wo steht, steht in den Bodenrichtwerten nach Stadtteil.
04Die Rechnung des Investors: 900 Euro Lücke je Quadratmeter
Für den professionellen Neubau gilt dieselbe Logik in anderer Form. Legt man die Herstellungskosten neben die tatsächlich erzielten Preise, klafft dazwischen eine Lücke – und die erklärt, warum in Worms fast nur noch für die Vermietung gebaut wird.
Preis je m² Wohnfläche in Worms. „Umwandlung“ bezeichnet die Aufteilung eines Miethauses in einzelne Eigentumswohnungen; solche Objekte liegen preislich zwischen schlichtem Bestand und Neubau. Notarielle Kaufpreise: Gutachterausschuss Stadt Worms, Berichtsjahr 2025. Angebotspreis: ImmoScout24, Q2 2026. Neubau-Vollkosten: eigene Rechnung auf Basis BKI-Baukosten (Q1/2026) zzgl. Baunebenkosten und Bodenrichtwert.
Die gestrichelte Linie ganz unten ist der Knackpunkt. So kommt sie zustande: Der reine Neubau eines Mehrfamilienhauses mittleren Standards kostet laut BKI rund 3.430 €/m² Wohnfläche an Bauwerkskosten – Rohbau und Baukonstruktion sowie Haustechnik, ohne Grundstück und Baunebenkosten. Dazu kommen etwa 24 Prozent Baunebenkosten für Planung, Genehmigung und Finanzierung sowie die Außenanlagen; das ergibt rund 4.250 €/m². Das Grundstück geht nicht mit seinem vollen Quadratmeterpreis ein, sondern verteilt sich über die bei Mehrfamilienhäusern übliche Ausnutzung auf die Wohnfläche und trägt grob 550 bis 1.050 €/m² bei. In Summe landet man realistisch bei 4.800 bis 5.300 €/m² Wohnfläche.
Verkauft wurden neu gebaute Eigentumswohnungen 2025 im Erstverkauf zu durchschnittlich 4.109 €/m² – auf schmaler Basis von neun Verkaufsfällen. Zwischen Herstellung und Erlös liegen damit rund 700 bis 1.200 €/m², im Mittel etwa 900. Ein endgültiges Urteil ist das nicht: An mehreren Stellschrauben lässt sich drehen – schlichtere Ausstattung, kleinere Zuschnitte, ein billigeres Grundstück, mehr Einheiten je Grundstück. Wer daran nicht dreht, legt drauf. Offenbar lohnt die Rechnung für immer weniger Bauherren: Die Erstverkäufe neu gebauter Eigentumswohnungen gingen von 28 auf 9 zurück.
Auch hier stehen wenige Fälle hinter der Zahl, und sie hängen an einzelnen Vorhaben. Die Richtung ist eindeutig – ein Vergleich über nur zwei Jahre bleibt trotzdem eine Momentaufnahme.
05Was die Lücke schließt: Förderung und Miete
Dass in Worms trotzdem Kräne stehen, erklärt sich über die Förderung – und die ist an den Baustandard gekoppelt. Am wenigsten verlangt die degressive Abschreibung: fünf Prozent für jedes Wohngebäude, dessen Bau zwischen Oktober 2023 und September 2029 begonnen hat, unabhängig von der Energieeffizienz. Die stärkeren Hebel setzen mehr voraus. Für die Sonderabschreibung nach § 7b EStG muss ein Bauantrag ab dem 1. Januar 2023 den Standard Effizienzhaus 40 erfüllen und das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude vorweisen. Wer diesen Standard erreicht, bekommt zugleich die oberste KfW-Kreditstufe – 150.000 statt 100.000 Euro je Wohnung.
Zusammen decken diese Instrumente einen guten Teil der Differenz ab – die 900 Euro je Quadratmeter gelten ohne Förderung und Steuervorteil. Nur profitiert davon nicht jeder: Beide Abschreibungen sind an Vermietung gebunden, die nach § 7b sogar ausdrücklich an neue Mietwohnungen. Für den, der selbst einziehen möchte, bleibt davon nichts übrig. Selbstnutzern bleibt der KfW-Kredit, und Familien mit mindestens einem Kind und einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 90.000 Euro zusätzlich das Programm „Wohneigentum für Familien“.
Warum sich Mietwohnungsbau rechnet und Verkauf nicht
Beim Verkauf muss der erzielte Preis die Kosten sofort decken. Vermietet man stattdessen, verteilt sich die Last über die Laufzeit – und nur hier setzt die Förderung an. Bezahlt wird das mit einer langen Festlegung: Die Sonderabschreibung verlangt, dass die Wohnung im Herstellungsjahr und in den neun Jahren danach entgeltlich zu Wohnzwecken überlassen wird. Wird sie das nicht, fällt die Abschreibung weg, und daran ändert auch ein bestandskräftiger Steuerbescheid nichts. Ein Jahrzehnt lang steht die Rechnung damit auf Mieteinnahmen.
Ob diese Kalkulation aufgeht, entscheidet die Miete. Damit sich eine zu 5.000 Euro je Quadratmeter errichtete Wohnung mit dreieinhalb bis vier Prozent Bruttorendite trägt, wären 14,60 bis 16,70 €/m² nötig. Für den Erstbezug eines Neubaus rechnen finanzierende Banken in Worms derzeit mit rund 15 €/m² – die Rechnung geht damit auf. Genau das ist der Grund, warum für die Vermietung gebaut wird und nicht für den Verkauf: Über die Miete trägt sich das Vorhaben, über den Erstverkaufspreis von 4.109 €/m² nicht. Mit dem Bestand hat diese Zahl allerdings nichts zu tun: Der Wormser Mietspiegel nennt für eine gut ausgestattete Wohnung 7,20 bis 9,05 €/m², im Angebot über alle Baujahre sind es 10,29 €/m². Zum ortsüblichen Niveau ließe sich in Worms nicht neu bauen – dass Neubauten nach § 556f BGB von der Mietpreisbremse ausgenommen sind, ist die Voraussetzung dafür, dass die Rechnung überhaupt aufgeht. Die lange Linie der Mieten steht in der Mietpreisentwicklung Worms 2004–2024.
06Was das für Eigentümer im Bestand bedeutet
Wer in Worms Eigentum bilden will, landet damit fast zwangsläufig im Bestand. Für eine gebrauchte Eigentumswohnung wurden zuletzt im Mittel 2.298 €/m² gezahlt – ein Neubau kostet in der Herstellung mehr als das Doppelte. Der Abstand im Kaufpreis ist unbestreitbar. Ob er sich am Ende auch rechnet, entscheiden Zustand, Energieeffizienz und der aufgestaute Instandhaltungsbedarf.
Für Eigentümer, die verkaufen wollen, folgt daraus zweierlei. Erstens: Die billigere Konkurrenz bleibt aus. Was 2025 genehmigt wurde, taucht frühestens ab 2028 in den Verkaufszahlen auf – zwischen Genehmigung, Fertigstellung und Erstverkauf liegen mehrere Jahre, beim Licht-Luftbad-Quartier über drei Bauabschnitte gestaffelt und entsprechend später. Zweitens: Ein Käufer, der heute zwischen Neubau und Bestand wählt, vergleicht nicht mehr Ausstattung gegen Ausstattung, sondern 2.300 gegen 5.000 Euro je Quadratmeter. Diese Spanne ist das stärkste Argument, das ein Bestandsobjekt derzeit hat.
Auf den Mietmarkt schlägt das Quartier dagegen durch. Gemessen an den rund 44.400 Wohnungen im Wormser Bestand sind 486 Einheiten gut ein Prozent, und für ein Viertel davon hat der Bauherr Förderung samt Mietpreisbindung in Aussicht gestellt. Was daraus wird, hängt an der Herkunft der Mieter: Zieht jemand aus einer Wormser Wohnung in den Neubau, wird seine bisherige frei – und der Zuwachs erreicht über diese Kette auch Lagen ohne jede Bautätigkeit. Nur wenn die neuen Wohnungen überwiegend an Zuziehende gehen, bleibt dieser Effekt aus.
Solange ein Neubau in der Vollkostenrechnung teurer ist als der fertige Bestand, ist der Bestand für viele Käufer die vernünftigere Wahl – vorausgesetzt, Zustand und Energieeffizienz stimmen.
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07Häufige Fragen
Wie viele Wohnungen wurden 2025 in Worms genehmigt?
Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz meldet für Worms 486 genehmigte Wohnungen in 21 neu errichteten Wohngebäuden, nach 86 im Jahr zuvor. Je 10.000 Einwohner ist das der zweithöchste Wert aller kreisfreien Städte des Landes. Entscheidend ist die Verteilung: 422 dieser Wohnungen gehören zum Licht-Luftbad-Quartier an der Monsheimer Straße. Auf die gesamte übrige Stadt entfallen 64 Wohnungen – weniger als in jedem anderen Jahr seit 2015.
Warum werden in Worms kaum noch Einfamilienhäuser gebaut?
Weil die Rechnung für private Bauherren nicht mehr aufgeht. Dasselbe Vorhaben, das 2021 rund 480.000 Euro kostete, kostet 2026 etwa 671.000 Euro; zusammen mit dem Zinsanstieg von 1,26 auf 3,98 Prozent steigt die Monatsrate von rund 1.040 auf rund 2.680 Euro. Vor allem aber muss vorher mehr Eigenkapital auf dem Tisch liegen: rund 147.000 statt 105.000 Euro. Die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser fiel von 56 im Jahr 2018 auf zehn im Jahr 2025.
Was ist die Neubau-Lücke?
Der Abstand zwischen dem, was ein Neubau in Worms kostet, und dem, was er beim Verkauf einbringt. Für ein neues Mehrfamilienhaus summieren sich Bauwerk, Nebenkosten und Grundstück auf 4.800 bis 5.300 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Neu gebaute Eigentumswohnungen wurden 2025 im Erstverkauf für durchschnittlich 4.109 Euro je Quadratmeter verkauft. Dazwischen liegen rund 900 Euro je Quadratmeter – eine Rechnung vor Förderung und Steuervorteil und auf schmaler Basis von neun Verkaufsfällen.
Warum wird trotzdem gebaut?
Weil Mietwohnungsbau anders rechnet als Verkauf. Über die Laufzeit trägt die Miete, was der Verkaufspreis heute nicht hergibt, und die Förderung schließt einen erheblichen Teil der Lücke: die degressive Abschreibung von fünf Prozent, die Sonderabschreibung nach Paragraf 7b Einkommensteuergesetz für Gebäude im Standard Effizienzhaus 40 und zinsverbilligte KfW-Kredite. Alle drei greifen bei Vermietung. Wer selbst einziehen will, hat von den beiden Abschreibungen nichts.
Was bedeutet das für Eigentümer einer Bestandsimmobilie in Worms?
Der Bestand ist der günstigere Weg zum Eigentum und bleibt es vorerst. Für eine gebrauchte Eigentumswohnung wurden in Worms zuletzt im Mittel 2.298 Euro je Quadratmeter gezahlt; die Herstellung eines Neubaus kostet mehr als das Doppelte. Solange sich an Baukosten und Zinsen nichts Grundlegendes ändert, hat der Bestand keine billigere Konkurrenz zu erwarten. Ob aus dem Preisvorteil ein wirtschaftlicher Vorteil wird, hängt von Zustand, Energieeffizienz und Instandhaltungsbedarf ab.
Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Sachgebiet „Verwaltungsstatistiken“, Bad Ems: Sonderauswertung der Statistik der Baugenehmigungen für die kreisfreie Stadt Worms, Berichtsjahre 2015 bis 2025 – Errichtung neuer Wohngebäude, gegliedert nach Wohngebäuden mit einer, mit zwei sowie mit drei oder mehr Wohnungen und Wohnheimen, je Berichtsjahr die Zahl der Gebäude und der Wohnungen. Auf schriftliche Anfrage erstellt und am 5. August 2026 übermittelt. Die Werte für 2024 (15 Gebäude, 86 Wohnungen) stimmen mit der amtlichen Meldung überein.
Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: „Zahl der Baugenehmigungen im Jahr 2025 deutlich gestiegen“, Meldung vom 17. Februar 2026 – Worms 486 Wohnungen in 21 neuen Wohngebäuden (2024: 86 Wohnungen in 15 Gebäuden); Rangfolge je 10.000 Einwohner: Trier rund 69, Worms rund 56, Landesdurchschnitt rund 24, kreisfreie Städte 26,1. Die im Text genannten gut sieben Wohnungen je 10.000 Einwohner ohne das Quartier sind eine eigene Umrechnung aus diesen Werten.
Licht-Luftbad-Quartier, Monsheimer Straße (früheres Rheinmöve-Areal): 422 Wohnungen in drei Bauabschnitten, Energiestandard KfW 55 EE, angestrebte DGNB-Zertifizierung in Gold, für ein Viertel der Wohnungen Förderung und Mietpreisbindung angekündigt – Angaben des Bauherrn ehret+klein, abgerufen im August 2026.
Gutachterausschuss für Grundstückswerte der Stadt Worms: Kurzinformation zum Grundstücksmarkt 2025 – notarielle Ø-Kaufpreise, Zahl der Neubau-Erstverkäufe von Eigentumswohnungen (28 im Jahr 2024, 9 im Jahr 2025), Bestands-Eigentumswohnungen 2.298 €/m². Bodenrichtwerte zum Stichtag 01.01.2026 über BORIS-RLP bzw. das Geoportal Worms; Bodenrichtwert-Zeitreihe 2014–2026 aus eigener Erhebung über den freien VBORIS-Basisdienst des LVermGeo Rheinland-Pfalz. Kreisfreie Stadt Worms, nicht Landkreis Alzey-Worms.
BKI Baukosteninformationszentrum, Kostenstand Q1/2026: Bauwerkskosten Neubau Mehrfamilienhaus, mittlerer Standard (Kostengruppen 300+400). Vollkostenrechnung inklusive Baunebenkosten und Bodenrichtwert: eigene Berechnung. Herstellungskosten sind nicht der Verkehrswert.
Statistisches Bundesamt (Destatis): Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden, Basis 2021 = 100, 2. Quartal 2026 = 140,3. Deutsche Bundesbank: Effektivzinssätze im Neugeschäft für Wohnungsbaukredite an private Haushalte, anfängliche Zinsbindung über 10 Jahre – Jahresmittel 2021 1,26 Prozent, Mai 2026 3,98 Prozent.
Degressive AfA (5 Prozent, Baubeginn Oktober 2023 bis September 2029) und Sonderabschreibung nach § 7b EStG (Bauantrag ab 01.01.2023, Standard Effizienzhaus 40 mit Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude, zehnjährige Bindung an entgeltliche Überlassung zu Wohnzwecken). KfW-Programme „Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude“ (297/298) und „Wohneigentum für Familien“ (300), Konditionsstand 2026. Keine Steuerberatung.
Qualifizierter Mietspiegel der Stadt Worms 2024 (7,20 bis 9,05 €/m² für eine gut ausgestattete Wohnung); Angebotsmieten Worms Q2 2026 (ImmoScout24, 10,29 €/m²). Erzielbare Miete für Neubau-Erstbezug in Worms (rund 15 €/m²): Auskunft finanzierender Banken, Stand 2026 – Marktauskunft, keine amtliche Erhebung. Ausnahme des Neubaus von der Mietpreisbremse: § 556f BGB. Wohnungsbestand Worms rund 44.400 Wohnungen: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Basisindikatoren 2025, Tabelle T8.
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